Waldstadt Tattoo

55 Jahre Gänsehaut:
Die Geschichte des Waldstadt Tattoos

Von den britischen Militärkapellen zur Weltelite der Showmusik – eine Zeitreise.

Über 50 Jahre Musikspektakel in der Waldstadt

Das Waldstadt Tattoo ist kein Produkt vom Reißbrett, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Leidenschaft für Marsch- und Showmusik. Was in den 1970er Jahren klein begann, hat sich zu einem der bedeutendsten internationalen Musikereignisse der Region entwickelt.

Von der britischen Militärmusik zum internationalen Show-Spektakel
Die Geschichte des Waldstadt Tattoos ist eine Erfolgsgeschichte, die vor über 60 Jahren mit einer mutigen Idee und der besonderen Verbundenheit Iserlohns zu den internationalen Streitkräften begann.

Die Geburtsstunde:

1962 und der „britische Funke“

Der Grundstein für unsere heutige Tradition wurde gelegt, als Iserlohn noch stolze Garnisonsstadt war. In den 1960er-Jahren begeisterten die britischen Kapellen die Bevölkerung mit ihrem exakten Drill und ihren prächtigen Uniformen. Es war Manfred Wagner, der als entscheidender Brückenbauer fungierte: Durch seine engen beruflichen Kontakte zum britischen Militär legte er den Keim für die Zusammenarbeit mit dem IBSV-Vorstand.

1962: Ein historischer Moment für die Waldstadt – mit der Band of The Royal Welch Fusiliers marschierte unter der Begleitung von Manfred Wagner erstmals eine ausländische Militärkapelle im Iserlohner Schützenzug mit.

1963: Dank Wagners unermüdlichem Einsatz gelang es, die Engländer für eine erste eigenständige Musikschau nach Vorbild der berühmten Militär-Tattoos zu gewinnen. Was auf der Wiese der Alexanderhöhe als Experiment begann, wurde sofort offiziell in Zeitungen und auf Plakaten als „Musikparade“ beworben.

Ein Magnet für das Sauerland

Die Mischung aus militärischer Disziplin und musikalischem Glanz faszinierte die Menschen von der ersten Minute an. Was auf einer kleinen Grünfläche begann, entwickelte sich rasch zum Publikumsmagneten. Es war der Startschuss für eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte, die das Gesicht Iserlohns bis heute prägt.

1970:

Die erste offizielle Musikparade

Auf Initiative des damaligen Musikbeauftragten Reinhard Doerper wagte der IBSV 1970 den Schritt in das Seilerseestadion. Man wollte ein ziviles Gegenstück zum NATO-Musikfest in Mönchengladbach schaffen. Die Skepsis im Vorfeld verflog sofort: Die Kassenhäuschen wurden förmlich überrannt. Die „NATO-Musikparade“ (der damalige Name) war offiziell geboren.

(ab 1972)

Action aus der Luft

Iserlohner Fallschirmjäger sorgten für Nervenkitzel, indem sie punktgenau im Stadion landeten. Unvergessen bleibt die Premiere 1972: Ein Springer verfehlte die Landezone und landete unter dem Staunen der Zuschauer direkt im Seilersee – glücklicherweise blieb er unversehrt.

Zuschauer der Internationalen Musikparade Iserlohn (irgendwann in den 1970 Jahren) bestaunen die Fallschirmspringer, die vom Himmel kommen.
IBSV Oberst Dossmann bedankt sich bei Fallschirmspringern der Bundeswehr bei der Internationalen Musikparade im Jahr 1975
Zeitungsausschnitt zum großen Finale der Internationalen Musikparade in Iserlohn im Jahr 1977
Das große Finale der Internationalen Musikparade in Iserlohn im Jahr 1977
1976:

Der Sprung ins Hemberg-Stadion

Mit den Jahrzehnten wuchsen die Ansprüche an Show und Logistik. Um den immer aufwendigeren Choreografien und den steigenden Zuschauerzahlen gerecht zu werden, zog das Event ins Hemberg-Stadion um.

  • Arena-Feeling: Das weite Stadionrund ermöglichte erstmals die monumentalen Final-Momente, bei denen über 500 Musiker gleichzeitig den Rasen betreten.

  • Moderne Show: Unter dem Markennamen „Waldstadt Tattoo“ öffnete sich das Programm. Heute erleben die Besucher eine perfekte Symbiose aus traditioneller Marschmusik, Dudelsack-Klängen und modernen Pop- und Rock-Elementen.

1982:

Royale Momente & Internationale Strahlkraft

Königlicher Besuch (1982): Ein Hauch von Buckingham Palace im Hemberg-Stadion! Prinzessin Margaret von Großbritannien landete als Ehrenoberst der Royal Highland Fusiliers mit einem knallroten Hubschrauber direkt auf dem Rasen. Zu ihren Ehren wurde eine feierliche Wachablösung (Changing of the Guard) zelebriert – ein Moment für die Ewigkeit.

Prinzessin Margret besucht die Musikparade in Iserlohn im Jahr 1982
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1989 - Der Fall des Eisernen Vorhangs:

Musik als Friedensbotschafter

Das Tattoo wurde früh zum Spiegel der Weltpolitik. 1989 markierte einen historischen Wendepunkt für die Völkerverständigung in der Waldstadt:

  • 1989: Mit dem Zentralen Musikkorps der tschechoslowakischen Volksarmee gastierte erstmals ein Ensemble aus dem damaligen Ostblock.

  • 1991: Kurz nach der Wiedervereinigung folgte das Stabsmusikkorps der UdSSR. Seit diesen mutigen Anfängen sind Musiker aus Osteuropa ein fester und geschätzter Bestandteil unseres Programms.

Modernisierung:

Wenn Tradition auf Rock-Legenden trifft

Ab Ende der 80er-Jahre veränderte sich das Gesicht der Show. Niederländische Top-Showbands wie die Rijnmondband oder Adest Musica brachten frischen Wind und moderne Show-Elemente nach Iserlohn.

Plötzlich war das Tattoo mehr als nur Marschmusik: Die präzisen Formationen trafen auf die Welthits von Queen, Michael Jackson oder Phil Collins. Dieser Mut zur Modernisierung legte den Grundstein für das heutige „Waldstadt Tattoo“ – ein Event, das Generationen verbindet.

1992_Waldstädter Musikzug

Siegfried "Siggi" Karow

Prägende Köpfe

Hinter den Kulissen formten Experten den einzigartigen Charakter des Tattoos. Besonders die tiefe Verbindung zum britischen Militär und zur internationalen Show-Szene prägt unser Gesicht:

  • Norman Rogerson: Als Bandmaster der The Black Watch und späterer Director of Music blieb er der Waldstadt eng verbunden. 1984 komponierte er als besonderes Geschenk den IBSV-Marsch, der bis heute bei jedem Schützenfest für Gänsehaut sorgt.

  • Captain Terence Alan Kenny: Als Leiter der Royal Artillery Mounted Band brachte er in den 70ern britische Exzellenz ins Hemberg-Stadion und prägte das Gesicht der Parade über Jahre maßgeblich.

  • Siegfried „Siggi“ Karow: Der langjährige Leiter formte das heimische Waldstadt-Orchester. Als Dirigent des großen Finales hielt er hunderte Musiker im Zaum und schuf den gewaltigen Gemeinschaftssound, der jedes Tattoo abschließt.

  • Ronald Krassenburg: Seit 2023 bringt der erfahrene, ehemalige  Tambourmaître der niederländischen Spitzenformation Adest Musica, modernen Spirit und WMC-Expertise aus dem Mutterland der Marching-Shows direkt ins Sauerland.

Das Team:

Generationen voller Herzblut

Seit den Anfängen wird das Event zu 100 % ehrenamtlich vom IBSV gesteuert. Jede Generation hat ihre Verantwortlichen hervorgebracht, die das Tattoo mit viel Herzblut geprägt und weiterentwickelt haben:

  • Reinhard Doerper & Manfred Wagner: Sie waren die Wegbereiter, die den britischen Funken entzündeten und die ersten großen Militärkapellen für die Teilnahme gewannen.

  • Reimund Trebschuh & Thomas Nafe: Unter ihrer Leitung öffnete sich das Programm für moderne Showbands und die internationale Ausrichtung wurde entscheidend ausgebaut.

  • Uwe Klippert: Er sicherte über Jahrzehnte das hohe musikalische Niveau und war als musikalischer Leiter bis 2017 das Gesicht der Parade auf dem Rasen.

  • Detlev Klippert: Seit 2018 führt er als Kopf hinter dem heutigen „Waldstadt Tattoo“ die Tradition fort. Mit frischen Ideen und modernem Management leitet er das Event erfolgreich in die Zukunft.

Die Geschichte des Waldstadt Tattoos zum Nachlesen

Tauche ein in mehr als fünf Jahrzehnte packende Musikgeschichte! Von den ersten Marschtakten im Jahr 1970 über den glanzvollen Besuch der britischen Königsfamilie bis hin zu den modernen, mitreißenden Shows der Gegenwart – unsere Chronik nimmt dich mit auf eine faszinierende Zeitreise.

Erfahre, wie sich die Internationale Musikparade Iserlohn zum heutigen Waldstadt Tattoo entwickelt hat, lerne die Macher hinter den Kulissen kennen und entdecke die Musikkapellen, die unser Hemberg Stadion über Generationen hinweg zum Beben gebracht haben.

Lade dir die vollständige Chronik hier ganz einfach als PDF herunter und wecke alte Erinnerungen oder entdecke die faszinierenden Hintergründe unseres Traditions-Events.

 

Dateiformat: PDF | Umfang: ca. 29 Seiten voller Geschichte, Erinnerungen und historischer Aufnahmen.

Ein halbes Jahrhundert Leidenschaft

Was 1970 als mutige Idee begann, ist heute lebendige Stadtgeschichte. Über 232 internationale Top-Ensembles aus mehr als 22 Nationen haben in den vergangenen 55 Jahren ihre musikalische Visitenkarte in Iserlohn abgegeben. Allein aus dem Mutterland der Militärmusik, Großbritannien, durften wir über 50 Formationen begrüßen. Den absoluten Rekord hält jedoch unser heimisches Waldstadt-Orchester, das als Herzstück der lokalen Szene bei fast jeder der über 50 Paraden auf dem Rasen stand.

Doch erst das Publikum macht die Magie perfekt: Über 300.000 Zuschauer verwandelten das Hemberg-Stadion über die Jahrzehnte in einen Hexenkessel. Ein Zitat von Reinhard Doerper aus dem Jahr 1972 bringt es heute noch auf den Punkt:

„Das attraktive Bild der Spitzenkapellen und der disziplinierte Auftritt der Musiker sind aus Iserlohn nicht mehr wegzudenken.“

Wir sind stolz auf dieses Erbe und freuen uns darauf, dieses Kapitel am 4. Juli 2026 gemeinsam mit dir weiterzuschreiben.

„Das Waldstadt Tattoo beschreitet stets neue Wege der Unterhaltung, ohne dabei die tief verwurzelten Traditionen zu vergessen, die bei unserem Publikum seit jeher für Gänsehaut sorgen.“